DeutschEnglish
Mittwoch, 2. Mai 2018

Studis als Gründer

Das kommt aus Bielefeld

Innovationslabor OWL

Gut zu hören, ist keine Selbstverständlichkeit. Schon gar nicht, wenn man im industriellen Umfeld dauerhaft einer großen Flut akustischer Eindrücke ausgesetzt ist. Beim Bielefelder Gründungsprojekt „HEA²R – Headset for Augmented Auditive Reality“ dreht sich deshalb alles um die Entwicklung eines Gehörschutzes, der MitarbeiterInnen im produzierenden Gewerbe schützen und gleichzeitig Arbeitsabläufe erleichtern soll.

Unterstützt wird die Start-up-Idee, die an der FH Bielefeld entstanden ist, vom Innovationslabor OWL. Das hochschulübergreifende Projekt der Unis Paderborn und Bielefeld sowie der Hochschule OWL und der FH Bielefeld fördert technologie- und wissensbasierte Hochschulausgründungen. Das Ziel: die Region als Gründer- und Hightech-Standort zu stärken.

Hochschulausgründungen sind an der FH Bielefeld kein neues Thema. „Neu ist jedoch, dass es jetzt erstmals ein hochschulübergreifendes Projekt gibt. Wir wollen das Innovationslabor OWL nutzen, um eine Infrastruktur für Gründer zu schaffen“, unterstreichen Dr. Stefanie Pannier und Prof. Dr. Tim Kampe vom Fachbereich Wirtschaft und Gesundheit an der FH Bielefeld. Drei Jahre soll das Projekt laufen. Es wird über diesen Zeitraum mit rund 1,3 Millionen Euro durch die Europäische Union und das Land Nordrhein-Westfalen gefördert. Über ein Jahr lang unterstützen die Coaching-Teams der Universitäten Paderborn und Bielefeld sowie der FH Bielefeld und der Hochschule Ostwestfalen-Lippe die Start-up-Teams bei ihrer Gründung. „Von der FH können wir jedes Jahr drei bis fünf Gründungen begleiten“, sagt Tim Kampe. Ideen und Produkte stammen aus den unterschiedlichsten Branchen. Sind teils gerade erst zu Papier gebracht, teils schon „marktreif“ wie bei „HEA²R – Headset for Augmented Auditive Reality“. Der hybride Gehörschutz erweitert den industrieüblichen, passiven Gehörschutz um eine neue aktive Gehörschutzlösung. MitarbeiterInnen an Lärmarbeitsplätzen können durch eine integrierte Kommunikationslösung miteinander sprechen, während der Gehörschutz auf den Ohren sitzt.

Eine intelligente Vernetzung im Kontext von Industrie 4.0 erlaubt darüber hinaus weitere Assistenzfunktionen, beispielsweise für Produktion und Logistik. Tobias Lehmann, Dennis Kaupmann, Timo Kölling und Joel Sprenger stecken – inzwischen unterstützt durch das EXIST-Gründerstipendium – mitten in der Entwicklung eines Prototypen. Er soll ab Mitte des Jahres in einem Partnerunternehmen getestet werden.

Ideen marktreif machen

Insgesamt fünf Start-up-Teams aus der FH Bielefeld sind beim ersten Durchlauf des Innovationslabors OWL dabei: Die Gründung ihres Designstudios „studio bolding“ treiben Marcin Krawczyk und Sarah Schnurbus vom Fachbereich Gestaltung Grafik und Kommunikationsdesign der FH Bielefeld voran. Die Studierenden konzentrieren sich mit ihrer Start-up-Idee auf Visuelle Kommunikation, Corporate Design und Editorial Design.

„VEMOS“, dahinter stecken Edmond Skeli, Dimitri Harder und Andreas Michael, allesamt wissenschaftliche Mitarbeiter der FH Bielefeld, will die Idee des „Virtual Engineering“ zur Marktreife bringen. Mit Hilfe eines „digitalen Zwillings“ sollen Maschinen oder auch komplette Produktionssysteme in einer rein virtuellen Umgebung entwickelt, simuliert und optimiert werden. Dadurch lassen sich Ausschussquoten in der Industrie reduzieren und die Produktion steigern.

Mit „Mehlwert“ konzentriert sich Louis Marxcord, der International Studies & Management an der FH studiert, auf das Potenzial von Insektenmehl in der Lebensmittelindustrie. Natürlich auch mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit des Produkts. Bei der Umsetzung wird der Student durch den Bielefelder Bäckermeister Christoph Kaupmann unterstützt. Der veränderte die Rezeptur seines Dinkelbrotes und ersetzte 20 Prozent des Mehles durch gemahlene Mehlwürmer.

Mit einem Konzept für ein Simulations- und Trainingszentrum sind Sandrina Bolte-Schlinkmann, Tim Herzig und Karsten Keller in das Projekt Innovationslabor OWL eingebunden. Sie haben ein pädagogisch-didaktisches Konzept für ein Skills-Lab entwickelt, in dem bundesweit für Physiotherapeuten, Pflegekräfte, Logopäden oder Ergotherapeuten berufliche Bildung gestaltet werden soll.

Netzwerke knüpfen

Diese heterogene Gruppe der GründerInnen soll durch ein modular aufgebautes Workshop-Angebot der FH Bielefeld – abgestimmt auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der beteiligten Start-ups – passgenau abgeholt werden. Darüber hinaus profitieren die angehenden GründerInnen von den Kontakten zu potenziellen Investoren, etablierten Bielefelder Unternehmen und anderen Start-ups.

Mit bis zu acht Netzwerkveranstaltungen, die jährlich an den vier beteiligten staatlichen Hochschulen stattfinden, fördert das Innovationslabor OWL außerdem den Kontakt und den Austausch der GründerInnen untereinander. Zudem dienen diese Treffen beteiligten Projektpartnern, Unternehmen und Mentoren als Plattform, um mit den Gründern ins Gespräch zu kommen. „Wir bilden für die Region aus und spielen als Teil des Ökosystems mit anderen Protagonisten“, so Tim Kampe auch mit Blick auf Kooperationen mit der Founders Foundation in Bielefeld.

zurück